Eine aktuelle Studie von EY dokumentiert einen deutlichen Strukturbruch in der deutschen Automobilbranche. Demnach entfielen allein im Jahr 2025 rund 50 000 verlorene Arbeitsplätze auf die Branche; seit 2019 summiert sich der Rückgang auf mehr als 100 000 Stellen. Die Auswirkungen sind in den Automobilstädten bereits spürbar.
Arbeitsplätze und regionale Folgen
Die Studie beschreibt den Stellenabbau als mehr als einen konjunkturellen Abschwung. Betroffen sind Lieferanten, mittelständische Unternehmen, Ausbildungsbetriebe und kommunale Investitionsvorhaben. In Produktionsstandorten mit hoher Wertschöpfungstiefe verschärfen sinkende Nachfrage und hohe Transformationskosten die wirtschaftliche Lage.
Forderungen der Bürgermeisterinitiative
Vor einem Jahr gründeten Oberbürgermeister und Bürgermeister aus führenden Automobil- und Zulieferstädten die Initiative Bürgermeister für einen starken Automobilstandort. Rüsselsheim am Main gehört dazu, und Oberbürgermeister Patrick Burghardt unterstützt die Initiative. Ziel ist es, Industrie und Klimapolitik so zu gestalten, dass Wettbewerbsfähigkeit, Beschäftigung und Klimaschutz zusammenbleiben.
Die Initiative fordert unter anderem eine technologieoffene Politik, verlässliche und investitionssichere Rahmenbedingungen, eine Stärkung von Forschung und Entwicklung mit Schwerpunkt auf Batterietechnologie, Software, Sensorik, alternativen Antriebskonzepten und industrieller Digitalisierung sowie wettbewerbsfähige Energiepreise, schnellere Genehmigungsverfahren und leistungsfähige Infrastruktur. Außerdem verlangt sie eine sozialverträgliche Transformation, die Beschäftigung sichert und Qualifizierung gezielt fördert.
Appell an die Europäische Union und Kritik an Flottengrenzwerten für CO2
Die Bürgermeisterinitiative begrüßt erste Signale der Europäischen Kommission zur Technologieoffenheit, übt aber gleichzeitig deutliche Kritik an bestehenden Entscheidungen, vor allem an der Ausgestaltung der Flottengrenzwerte für CO2 und den damit verbundenen Strafzahlungen. Nach Auffassung der Initiative führen die geltenden Vorgaben zu erheblichen finanziellen Risiken für europäische Hersteller und verschärfen die Belastung in einer Phase schwacher Nachfrage.
Konkret fordert die Initiative eine realitätsnahe Anpassung der Flottengrenzwerte für CO2, die Marktentwicklung und Verbraucherakzeptanz berücksichtigt. Zudem verlangt sie die Aussetzung oder flexible Handhabung drohender Strafzahlungen, keine zusätzlichen starren Vorgaben im Flotten und Dienstwagenbereich sowie klare Investitionsanreize, damit Produktions- und Entwicklungsstandorte in Europa gehalten werden können.
Initiative und politischer Dialog
Die Bürgermeisterinitiative hat ihre Positionen auf Bundes und EU Ebene eingebracht. Nach eigenen Angaben sind zentrale Punkte bereits in industriepolitische Debatten und Vereinbarungen eingeflossen, was zeige, dass die Stimme der Kommunen gehört werde. Angesichts der aktuellen Beschäftigungszahlen reicht dies nach Einschätzung der Initiatoren jedoch nicht aus.
Die Initiative versteht sich als Ansprechpartnerin für die Europäische Kommission, die Bundesregierung, das Europäische Parlament sowie Branchenverbände und Sozialpartner. Ihr Ziel bleibt, Arbeitsplätze zu sichern, industrielle Wertschöpfung in Europa zu erhalten und Zukunftstechnologien am Standort weiterzuentwickeln. Die Oberbürgermeister Simon Blümcke, Dr. Frank Nopper, Dennis Weilmann und Uwe Conradt sehen die Lage als industriepolitischen Wendepunkt und fordern verlässliche Rahmenbedingungen und entschlossenes Handeln auf EU Ebene, um eine dauerhafte Schwächung der industriellen Basis zu verhindern.

