Bei der achten Rüsselsheimer Wirtschaftsrunde am 4. Mai diskutierten Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung den aktuellen Strukturwandel in der Automobilbranche. Thema waren die Folgen von Elektromobilität, Digitalisierung und neuen Mobilitätskonzepten für Märkte, Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle. Anhand von Praxisbeispielen aus Rüsselsheim wurden Strategien für die Positionierung in einem globalen Wettbewerb vorgestellt.
Technologie verschiebt Wertschöpfung
Die Diskussion hob hervor, dass die Transformation der Branche zunehmend von Software und Daten getrieben wird. Softwaredefinierte Fahrzeuge, vernetzte Dienste und datenbasierte Geschäftsmodelle verändern nicht nur die Produktentwicklung, sondern auch die Anforderungen an Zulieferer und Hersteller. Anbieter sehen darin einerseits Potenzial für neue Angebote, andererseits steigt der Bedarf an Knowhow in Bereichen wie Systemintegration und Cybersecurity.
Als Beispiel präsentierte die Cognizant Mobility GmbH aus Rüsselsheim ihre Ansätze für moderne Fahrzeugsoftware. Das Unternehmen unterstützt laut eigenen Angaben Kunden in allen Phasen der Software und Produktentwicklung bis zur Serienreife. Im Fokus stehen Connectivity, Datenanalyse, Systemintegration und Cybersecurity. Zudem gewinnt der Einsatz generativer künstlicher Intelligenz an Bedeutung. Cognizant Mobility beschäftigt rund 1.000 Mitarbeitende an neun Standorten in Deutschland, ist seit mehr als 25 Jahren in Rüsselsheim vertreten und hat 2024 ein zweites Testcenter am Standort eröffnet, in dem Software und Systemtests für Fahrzeuge durchgeführt werden.
Internationale Konkurrenz und volatile Märkte
Teilnehmer wiesen darauf hin, dass technologische Umbrüche zugleich vor wirtschaftliche Herausforderungen stellen. Geopolitische Verschiebungen, volatile Märkte und zunehmender internationaler Wettbewerb, insbesondere aus China, erhöhen den Druck auf etablierte Unternehmen. Veränderungen in den Wertschöpfungsketten zwingen Firmen dazu, ihre Strategien zu überprüfen und ihre Anpassungsfähigkeit zu stärken.
Vor diesem Hintergrund betonten Diskussionsteilnehmer die Notwendigkeit, Innovationskraft mit resilienten Geschäftsmodellen zu verbinden. Technologische Investitionen müssten Hand in Hand gehen mit Qualifizierungsmaßnahmen für Fachkräfte, um die komplexer werdenden Entwicklungsprozesse abzubilden.
Regionaler Austausch als Teil der Antwort
Die Rüsselsheimer Wirtschaftsrunde ist eine regelmäßig stattfindende Dialogplattform, die von der städtischen Wirtschaftsförderung und dem Oberbürgermeister organisiert wird. Ziel ist es, den Austausch zwischen Unternehmen, Wissenschaft und Verwaltung zu stärken und gemeinsame Perspektiven für den Standort zu entwickeln. Stadtdirektorische Vertreter und lokale Akteure sehen in solchen Netzwerken einen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit.
Der Oberbürgermeister verwies auf die lange Verbindung der Stadt mit der Automobilindustrie und betonte, dass Innovationskraft und Vernetzung entscheidend seien, damit Unternehmen die Transformation aktiv mitgestalten können. Vor dem Hintergrund der beschriebenen technologischen und wirtschaftlichen Umbrüche gilt der Fokus regionaler Politik und Wirtschaftsförderung der Schaffung günstiger Rahmenbedingungen für Forschung, Qualifizierung und Kooperation.

